Ententeich

Das große Geschnatter geht weiter!
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Ungelesener BeitragVerfasst: 17. Juli 2017, 15:59 
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Hallo liebe Enten,

ich weiß gar nicht, wie ich so recht anfangen soll und was ich mir hier erhoffe. Vielleicht einfach nur ein paar Worte die mir helfen, mich und meine Gedanken zu sortieren, und vielleicht die ein oder andere Erfahrung zu dem Thema, idealerweise Ansätze zur Lösung. Der Text wird lang, sorry dafür. Vielleicht schafft es ja aber die ein oder andere von euch bis zum Ende.

Ich habe ja seit 4 Jahren eine Haflingerstute, sie ist mittlerweile 10. Als ich sie kaufte, konnte sie eigentlich nichts: mäßig angeritten aber die meiste Zeit brav (was sicher auch dem schlechten Allgemeinzustand damals geschuldet war), Micky Maus Bewegungen, über den Rücken gehen oder Hals fallen lassen war unbekannt, sie kannte kein Gelände usw. Angeritten wurde sie wohl 5jährig, bis dahin hatte man sie so ziemlich mit allem in Ruhe gelassen.
Ich hatte von Anfang an immer Hilfe im Sinne von Unterricht und auch Beritt, wir haben eigentlich komplett auf Reset gedrückt und bei null angefangen. Im Laufe der Jahre ist so durch viel Mühe und Fleiß ein doch recht ansprechendes Freizeitpferd aus ihr geworden. In den Bewegungen begrenzt, im Springvermögen auch, aber für den netten Hausgebrauch und für das was ich will absolut ausreichend :wink:

Es ist nichts wirklich leicht mit ihr – alles wird immer wieder angefragt, muss anstrengen denn wirklich sein, neue Lektionen erarbeiten wird grundsätzlich erstmal mit rausheben oder gegen die Hand drücken/stark machen, alternativ mit Schenkel ignorieren beantwortet…. Zwischendurch immer wieder Phasen, wo beim Reiten gar nichts geht. Also nicht im Sinne von mal ein, zwei schlechte Tage, sondern wirklich wochenlang Kampf, total dicht machen, null Kooperation, und bei mir dann irgendwann totaler Frust.

Im Umgang war sie schon immer schwierig, sehr dominant. Die kleinste Nachlässigkeit hat man tagelang gespürt. Sie weiß sehr genau, mit wem sie es machen kann. Dann werden beim Führen auch mal Leute über den Haufen gerannt, es wird geschnappt oder ähnliches. Themen wie Stillstehen haben wir lange diskutiert. Mittlerweile ist sie da gut „in der Spur“ und muss nur noch selten an ihre Erziehung erinnert werden, aber der ein oder andere hat da schon auch Probleme mit ihr. Wenn ich ein paar Tage nicht da war und meine Freundin sich um sie gekümmert hat, merke ich das sofort. Da ist dann kurz Nachsitzen angesagt. Meine Freundin bemüht sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten alles umzusetzen, stößt dann aber doch immer wieder an ihre Grenzen und kann sich nicht durchsetzen. So hat auch das Stallpersonal immer mal wieder kleine Erlebnisse mit ihr…

Kann man soweit doch eigentlich ganz gut mit leben denkt man, anfragen tun viele mal, wenn mal wieder eine schlechte Phase ist reitet man eben ein paar Tage aus und geht das das Arbeiten neu an. Andere haben da ja viel größere Probleme usw. ABER, und das ist das, worum es mit eigentlich geht. Den Rest habe ich geschildert, damit ihr euch halbwegs ein Bild machen könnt.
Sie kann von null auf hundert und wird da so kopflos, dass es teilweise einfach gefährlich wird. Ob der Mensch daneben oder obendrauf, ist in solchen Momenten fast egal – wird nicht mehr wahrgenommen. Zuhause haben wir solche Momente fast gar nicht mehr, da dringe ich mittlerweile irgendwie zu ihr durch wenn sie es in den Kopf bekommt. Aber z.B. im Gelände immer wieder. Sie sieht oder hört was, das ich meistens gar nicht wahrnehme. Stockt, zögert, friert ein. Wenn man versucht weiterzureiten, will sie kehrtmachen (auch wenn man sie vorher gucken lässt). Lässt man sie nicht umdrehen, rennt sie im Affenzahn rückwärts oder droht auch mal zu steigen (kleine Ansätze, aber mehr muss das bitte auch nicht werden!). Ob dabei hinter ihr was ist (Zaun, Graben, anderes Pferd…), scheißegal. Nimmt sie nicht mehr wahr. Das macht sie auch, wenn ein anderes Pferd voran geht – da geht sie nicht zwangsläufig hinterher, wenn sie was gruselig findet.
Die andere Variante ist die Flucht, auch hier egal was uns da im Weg ist. Sie zieht sich zusammen, macht ggf. ein, zwei Luftsprünge und rast los, bloß weg. Auch dabei egal, ob die anderen Pferde zurück bleiben. Dabei geht sie im Zweifel auch durch Büsche und Dickicht und sonstwas, dass man sich hinterher fragt, wie man da unbeschadet durchgekommen ist.

Das Einfrieren und rückwärts ist nervig, aber damit kann ich mich notfalls irgendwie arrangieren. Wenn alle Stricke reißen steige ich zur Not auch ab und gehe ein paar Meter zu Fuß. Da ist sie zwar auch zögerlich und aufgeregt, folgt dann aber doch recht zügig. So schnell sie hochfahren kann, beruhigt sie sich auch wieder wenn sie an ihrem „Gruselobjekt“ (was auch immer es ist) vorbei ist….. An solchen Stellen latsche ich dann wenn es sein muss auch zehnmal mit ihr hin- und her, so lange eben, bis es sie nicht mehr interessiert. So machen wir es auch, wenn auch für mich offensichtlich als gruselig erkennbare Dinge unseren Weg kreuzen, z.B. ein Müllsack. Es wird wirklich alles angeglotzt, Augen fallen fast raus, Nüstern sind doppelt so groß, es wird geschnorchelt was das Zeug hält, und am liebsten würde sie in die andere Richtung abhauen. Das aber auch ähnlich ausgeprägt zu Hause auf dem Hof, da bleibt sie aber besser bei mir. In solchen Situationen setzen wir uns dann so lange damit auseinander (ja, das kann manchmal lange dauern), bis sie sich nicht mehr aufregt und gechillt an der bösen Stelle dran vorbei latscht.

Noch schlimmer ist es, wenn sie allein irgendwo ist. Sie kann sich ja allein in der Reithalle schon die Seele aus dem Leib brüllen. Früher hat sie z.B. auch gern versucht, vom Reitplatz zu pullen. Das geht mittlerweile. Aber allein vom Hof, puh. Immer wieder ein Abenteuer. Mittlerweile steigt sie dabei nicht mehr und geht auch brav und die ersten Meter noch entspannt los. Wenn sie dann kapiert, dass wir echt vom Hof weggehen, fängt sie ähnliche Diskussionen an wie beim „ich sehe was, was du nicht siehst“ wie oben beschrieben. Das kriege ich da immer noch ganz gut hin. Kritisch wird es aber, wenn sie von weitem andere Pferde sieht oder hört – da pullt sie kopflos hin, halten kann ich sie da nicht ansatzweise, sie nimmt mich nicht mehr wahr da oben. Ich kann mich entweder festhalten und mitkommen, oder ich bleibe eben allein zurück. Im Geländetraining ist sie mir z.B. mal gnadenlos über den gesamten Platz abgegangen, weil sie am einen Ende vom Platz war, die anderen Pferde alle am anderen Ende. Da war es ja nun eingezäunt und sie konnte nicht weg, aber trotzdem einfach mega scheiße sowas. Ähnlich kritische Situationen auch beim Spazieren gehen, wenn wir andere Pferde sehen. Losgerissen hat sie sich da bisher nicht, immerhin.

Ich habe von so vielen gehört „die verarscht dich“, „die ist stur“, „die muss mal eine Jachtreise haben“ usw. und war da teilweise dann auch sehr verunsichert. Ich hatte doch immer eher das Gefühl, dass solche Situationen wirklich Stress für sie sind und sie dann in dem Moment auch wirklich ein Thema hat. Generell glaube ich halt, dass sie sehr unsicher und immer erstmal ängstlich ist. Das sehen z.B. unsere Bodenarbeitstrainerin und THP genau so, ohne dass ich im Vorfeld nur ein Wort darüber gesagt hatte.

In der Bodenarbeit z.B. ist sie ganz fein, wenn sie was verstanden hat lässt sie sich am kleinen Finger leiten – so lange der Fokus bei mir und sie nicht von irgendwas abgelenkt ist. Da kann es reichen, dass ein anderes Pferd vorbeigeht (ob dann andere bei ihr auf dem Platz sind, ist egal), und das war es mit der Konzentration. Dann startet das Gebrüll und das Gehampel.

Wer uns nur so vom „normalen“ Alltag kennt, kann das immer gar nicht glauben, nach dem Motto „sie übertreibt jawohl maßlos“, „das denkt sie sich doch aus“. Wer einmal live dabei war und die Stute in Action gesehen, denkt und redet anders. Wir haben tatsächlich Leute, die nicht mehr mit uns rausgehen, weil es so unentspannt ist (was ich verstehen kann). Da kommen dann auch Sätze wie „da hätte ich nicht die Geduld zu, Respekt dass du da unermüdlich dran bleibst“ usw.

Ja, ich bin auch manchmal mit meiner Geduld am Ende und einfach nur frustriert. Ja, ich habe Phasen, da möchte ich am liebsten aufgeben, hinschmeißen und das Pferd verkaufen, weil es mir zu viel ist und ich das Gefühl habe, das nie in den Griff zu bekommen, weil ich dem Pferd offenbar nicht genug Sicherheit geben kann. Ja, ich beneide die, bei denen vieles leichter und unkompliziert geht, oder wo es nach einmal zeigen/üben einfach sitzt.
Aktuell ist nach zwei Erlebnisse am Wochenende der Frust wieder ganz groß, absoluter Tiefpunkt :cry:

LG Winnie

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Ungelesener BeitragVerfasst: 17. Juli 2017, 18:38 
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@ Winnie: in Teilen beschreibst du auch meinen Braunen!
So ist und so war er auch, je nach Laune.

Wobei er nicht schreit und auch nicht zum Abhauen neigt. Oft habe ich mich gefragt, ob ich ihn nicht besser abgeben soll. Aber dann hatte ich immer die Angst, daß er wegen seiner Eskapaden zum Wanderpokal werden könnte. Und dies wollte ich nicht.
Und so habe ich es zu meiner Lebensaufgabe gemacht von ihm zu Lernen!

Über viele Sachen im Gelände reite ich einfach hinweg. Wenn er stehen bleibt und fest friert, dann lasse ich ihn stehen, aber dann muß er auch weiter gehen. Wenn es von oben gar nicht geht, dann muß ich auch mal absteigen und versuchen ihn vorbei zu bekommen. Aber dann wird es nicht weiter geübt. Einmal vorbei und weiter. Ich versuche so viel es geht nach vorne auszugleichen um ein Stocken möglichst nicht aufkommen zu lassen (was aber nicht immer klappt).
Leider kann er aus jedem Tempo auf der Hinterhand kehrt. Und nicht immer konnte ich dabei oben bleiben.
Aber je mehr ich ihn dressurmäßig gearbeitet bekomme, desto besser wird es im Gelände.

Ausreiten tue ich auch nur mit ausgewählten Leuten, meistens aber alleine.

An der Hand ist er in der Zwischenzeit rel. brav geworden, ABER, er kann jederzeit explodieren. Unaufmerksam darf man bei ihm nicht sein. Früher hat er auch gedroht zu Schlagen.
Wenn er "komisch" drauf ist, dann geht mein Mann auch nicht zu ihm und ich muß kommen.

Ich bin seine Bezugsperson. Wir haben uns in der Zwischenzeit viel erarbeitet. Geholfen hat uns auch das Geländespringen, weil wir beide uns vertrauen müssen.

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Ungelesener BeitragVerfasst: 18. Juli 2017, 07:45 
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Mein schwarzer war und ist in Teilen immer noch so ein Kandidat. Immer gern die Flucht ergriffen und dabei Haken geschlagen wie ein Hase. Im Gelände teilweise unberechenbar. Dabei vom Charakter her unfassbar lieb und gutmütig- nur sind halt ab und an die Sicherungen durckgeknallt.
Das hat sich mit der Ausbildung von selbst erledigt. Je besser er ausgebildet ist um so sicherer wird er.
Geholfen hat dabei mein RL mit schier unerschöpflicher Konsequenz und null Schiss :mrgreen: Wo ich längst die Hosen voll habe sitzt der noch grinsend oben ohne irgendwie emotional zu werden - der reitet einfach weiter ohne sich auf zu regen.. Alleine hätte ich das nie hinbekommen.
Heute mache ich alles mit ihm, auch alleine ins Gelände zu gehen. ALLERDINGS könnte ich z.B. niemals jemand fremdes reiten lassen wenn ich nicht neben dran stehe die ersten paar Male.. die Sicherheit braucht er, sonst wird er panisch. Mittlerweile ist es da wo ich bin gut. Er braucht einfach das Gefühl ich passe auf und regele es. Mein Herzenspferd :rosawolke:

Ich habe also nur einen Tipp für Dich: Zeit und jede Menge Geld in Ausbildung investieren.


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Ungelesener BeitragVerfasst: 18. Juli 2017, 08:09 
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2 solcher exemplare haben wir auch im stall.

unsicher und stur mit hang zum explodieren.
du kannst nur immer weiter an deiner beziehung zu ihr und deiner leitposition arbeiten.
je mehr sie dich als führung akzeptiert, desto weniger werden die Ausraster.
ob sich das ganz verliert, kann dir keiner sagen.

hier ist sicherlich schon als FOhlen/Aufzuchtpferd was schiefgelaufen.


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Ungelesener BeitragVerfasst: 18. Juli 2017, 08:39 
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Meine RB ist teilweise auch so (nur ohne das komplett kopflose wegrennen und ohne das Geschrei, denn andere Pferde sind ihr völlig egal). Wenn jemand was mit ihr macht, dem sie nicht vertraut und/oder den sie noch nicht kennt werden alle Register gezogen. Man merkt aber auch, dass sie dabei einfach extrem verunsichert ist und teilweise gar nicht weiß wo unten und oben ist.

Wenn jemand unsicheres/nachlässigeres sie nur geführt hat darf ich auch zwei Tage danach wieder daran erinnern, dass man ordentlich an der Hand laufen kann. Beim Reiten wird sie in brenzligen Situationen auch gerne kopflos, wenn man es soweit kommen lässt. Am Anfang hatte ich auch ganz viele solcher Situationen, aber auch bei ihr ist es so, wie meine Vorposter schon gesagt haben: je mehr man übt, je mehr Zeit man investiert, umso gelassener man selbst bleibt, umso ruhiger wird sie. Möglichst gelassen und stur darüber hinwegreiten und sich nicht dabei aufregen (ich weiß, gerade in gefährlichen Situationen leichter gesagt als getan) hat bei uns sehr geholfen.

Bei uns ist es auch so, dass es phasenweise besser und schlechter ist. Ausreiten mit diesem Pferd ist nie Erholung, weil man wirklich mit jeder Sekunde bei ihr sein muss und man nie weiß wann und wo sie jetzt nen Satz macht oder anfängt wie blöde rumzuhampeln oder meint sie kann an irgendwas nicht vorbei, was dann mit Steigen (oder zumindest Ansätzen dazu) quittiert wird. Ca 4-5 Mal im Jahr hab ich nen Ausritt, wo sie einfach total "normal" ist und nirgendwo auch nur was anguckt, und ansonsten variiert es. Oft haben wir nur so 1-2 Stellen, wo ich weiß dass sie das gruselig findet, da laufen wir dann im Zackelschritt vorbei, sie regt sich etwas auf und 2 Meter weiter ist es gut. Und ab und an steige ich auch mittendrin ab, weil die mich mit ihrem Getue so wütend macht, dass ich weiß wir kommen zusammen auf keinen grünen Zweig mehr. Dann passe ich ne Stelle ab, an der sie normal läuft und steige dann ab und laufe den Rest heim, um mich abzuregen.

Für mich habe ich gemerkt: wichtig ist meine eigene geistige Verfassung und Laune dabei. Wenn ich merke ich selbst bin genervt oder sehr angespannt, dann muss ich die Handbremse ziehen denn dann schaukelt man sich gegenseitig hoch. Wenn sie nervös ist und ich ruhig, gelassen und gut drauf bleibe, dann beruhigt sie sich meist nach ein paar Minuten auch und wir können uns arrangieren.


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Ungelesener BeitragVerfasst: 18. Juli 2017, 08:51 
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Hurra hat geschrieben:
hier ist sicherlich schon als FOhlen/Aufzuchtpferd was schiefgelaufen.


Das muß nicht sein!

Ich habe ja meinen selber gezogen. Der war als Fohlen total entspannt, man konnte alles mit ihm machen und er war sehr unerschrocken. Auch als Jährling war er total artig und unerschrocken. Aber irgendwann als er älter wurde, wurde er frech (ist vielleicht auch dem Hengstsein zu dem Zeitpunkt geschuldet). 4j konnte man noch ganz entspannt ausreiten, aber plötzlich ging es eben nicht mehr :keineahnung:
Auch fing er an am Stall zu kleben, aber nie an Pferden.

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Ungelesener BeitragVerfasst: 18. Juli 2017, 08:54 
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Hurra hat geschrieben:
hier ist sicherlich schon als FOhlen/Aufzuchtpferd was schiefgelaufen.


Das haben auch schon einige gemeint. Kann ich mir auch gut vorstellen, ich weiß es aber nicht. Wobei: 5jährig fast nicht angefasst, das sagt ja doch einiges....

Sie ist über weite Strecken toll, ich habe wahnsinnig schöne Momente mit ihr und sie überrascht mich auch oft positiv.
Aber dieses Kleben, Glotzen, panisch werden mit total dicht machen, und das bei den kleinsten Kleinigkeiten bzw. Dingen, die niemand außer ihr wahrnimmt. Das bringt mich immer mehr an meine Grenzen. Ich dachte halt anfangs auch das wird besser, je öfter sie rausgeht, je mehr sie kennenlernt, da wird sie schon sicherer. Früher ist sie bei jedem Auto oder Radfahrer drei Meter weggesprungen, kannte sie halt einfach nicht. Sowas geht natürlich jetzt alles entspannt.

Gestern war wieder so ein Highlight, wollte mit ihr über den Hofplatz zu Hause reiten und sie sagt "nee, hier gehe ich nicht weiter". Sie hat so ein Spektakel gemacht, das irgendwann der Pfleger rauskam und fragte, ob alles ok ist..... Meine Nerven lagen eh nach dem Theater vom WE noch blank, so dass ich nach der minutenlangen Diskussion den Rest des Abends geheult und mehr als einmal gesagt habe "ich habe die Schnauze voll, ich will einfach mal entspannt reiten ohne Theater, die Stute geht, und zwar sofort" :cry:

Und dann manchmal dazu die schlauen Kommentare von anderen, die können mich dann auch auf die Palme bringen. Immer gern die Hinweis, das Pferd müsste mal Schrecktraining / Gelassenheitstraining machen. Alles schon gemacht und auch immer wieder. Da ist sie beim ersten Mal 5min aufgeregt, guckt sich das an und dann interessieren sie Plane, Flatterband & Co nicht mehr. Sie schläft dabei fast und schnarcht endgechillt durch den Parcours. So "offensichtlich" gruselige Dinge sind da eher weniger das Problem.

Ich glaube, wir sind da mittlerweile auch festgefahren :roll: Ich überlege, ob ich meinen RL nicht mal 4 Wochen allein reiten lasse und mich nur mit spazieren gehen, Bodenarbeit, Longe und rumtüddeln mit ihr beschäftige. So komme ich mal wieder runter, vielleicht brauchen wir einfach mal Reitpause voneinander. Ansonsten sehe ich da aktuell die Gefahr, dass es komplett eskaliert.

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Ungelesener BeitragVerfasst: 18. Juli 2017, 09:45 
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Wie gut reitest Du?

Für mich hört sich das nach einem ganz klassischen Vertrauensproblem an. Das passiert bei Haflingern extrem schnell weil die schlau sind und nicht so schnell alles glauben. Da reichen ganz kleine Anlässe und Versäumnisse und schon ist das Pferd davon überzeugt dass der Mensch das nicht im Griff hat. Sehr souveräne Pferde übernehmen dann die Führungsrolle und wenn sie dazu charakterlich noch sehr brav sind, merkt man das gar nicht so richtig. Pferde die zwar die Führungsrolle des Menschen schnell in Frage stellen aber eigentlich selbst keine Führungspersönlichkeit sind, bekommen Stress und dieser Stress zeigt sich dann in völlig kopflosem Verhalten. So lange für das Pferd alles in Ordnung ist, klappt alles, aber wehe das Pferd bekommt das Gefühl wieder irgendwas alleine regeln zu müssen, da der Mensch ja eh versagt, dann macht es völlig wirre Dinge.
Es ist echt schwer da rauszukommen, wenn ein Pferd eh schon misstrauisch ist. Ich persönliche (das sehen sehr viele sehr anders!) bin ein großer Fan von Absteigen wenn das funktioniert und ich (auch wieder nur meine Erfahrung) bin auch kein Fan von 10x hin und her. Meiner Erfahrung nach bringt es am allermeisten so wenig Gewese wie möglich zu machen. Pferd zögert, Reiter steigt ab, führt so lange bis das Pferd wieder atmet, steigt auf als wäre nichts gewesen, damit reduziert man meines Erachtens das Stresslevel des Pferdes am allermeisten und das Pferd gewinnt Vertrauen, dass der Reiter es souverän führt und weiß was er tut.
Parallel dazu ist es natürlich nicht verkehrt wenn jemand der so gut reitet, dass das Pferd sich wohlfühlt reitet so dass es auch davon überzeugt wird, dass auch geritten kein Grund besteht die Führung übernehmen zu müssen.


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Ungelesener BeitragVerfasst: 18. Juli 2017, 10:13 
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Ich kann dir nur ein bisschen Hoffnung machen, dass sie ruhiger wird im Alter. Meiner ist auch ultra dominant, deshalb kann ich ihn auch nicht mit anderen Pferden zusammenstellen bzw. nur mit ausgewählten, weil er ununterbrochen piesackt und einfach rotzfrech ist und ordentlich auf die Mütze kriegt, was leider mit reiterlichen Ambitionen nicht vereinbar ist.
Wir zwei haben uns über die Jahre arrangiert (er ist jetzt 15, hab ihn seit 9 Jahren) und auch sehr sehr viel Frust hinter uns. Man muss abet nach wie vor immer damit rechnen, dass er mal wieder auf neue Ideen kommt - im Winter bspw ist er mir mal wieder abgehauen, als ich mich umdrehte, um die Stalltür zu schließen und nur locker mit der andren Hand nach dem Zügel griff. Ab und an will er sich auch noch losreißen beim Rausstellen, aber ich hab mir dafür auch Tricks und Konsequenz angewöhnt. Ganz weg ist also alles nicht. Fakt ist jedenfalls, dass er schon seit Jahren nicht mehr mit Strick am Halfter durch die Gegend gefetzt ist und sich nicht hat einfangen lassen. Aber er hat kapiert, dass er besser damit fährt, auf mich zu hören und seine selten noch auftretenden "Eskapaden" fallen mehr in die Kategorie "Scherzkeks". Manchmal kommt er mir noch vor wie ein Dreijähriger in seinem Benehmen, aber alles in allem ist er doch sehr viel ruhiger und vernünftiger geworden über die Jahre. Einerseits macht es mehr Spaß so, wenn jeder Tag neue Abenteuer mit so einem charakterstarken Pferd mit sich bringt, andererseits ist es aber frustrierend, beispielsweise nicht im Freien longieren zu können und sich jeden Tag die Mitarbeit wirklich konsequent erarbeiten zu müssen, weil das schlaue Tier jede Nachlässigkeit ausnutzt.
Aber ich sehe es ein bisschen wie maharani: als eine Lebensaufgabe, von der man viel lernen kann.


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Ungelesener BeitragVerfasst: 18. Juli 2017, 10:15 
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Zunächst sollte vielleicht klar sein, ob das Pferd wirklich dominant und selbstsicher ist und sich deshalb nicht "unterordnet" oder - wie es Diva beschreibt - seinem Reiter einfach nicht ausreichend vertraut und deshalb glaubt, die Führung übernehmen zu müssen und damit überfordert ist. So rein vom Lesen her würde ich eher auf die zweite Alternative tippen.

Snoeffi

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Ungelesener BeitragVerfasst: 18. Juli 2017, 10:29 
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Ich bin in der Zwischenzeit dazu über gegangen von meinem Braunen abzusteigen, wenn er fest friert. Wenn ich mit meinen Hilfen nicht mehr durch komme und ich merke, daß es gefährlich werden könnte, dann steige ich eben ab. An der Hand versuche ich ihn dann vorbei zu bekommen und steige danach wieder auf und setze meinen Weg fort.
Ein großes Gewese mache ich da nicht (mehr) drum.

Trotzdem kann es noch geschehen, daß wir rückwärts im Graben landen. Aber je weiter er in seiner Ausbildung voran gekommen ist, desto eher komme ich an seinen Problemstellen vorbei.
Wobei man sagen muß, wenn z.B. ein Auto im Wald steht (und dort stehen immer Autos) glotzt er jedesmal, läßt sich aber besser überzeugen.

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Ungelesener BeitragVerfasst: 18. Juli 2017, 10:51 
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Diva hat geschrieben:
Wie gut reitest Du?


Gute Frage :keineahnung: Als Nicht-Turnierreiter lässt sich ja immer nicht so leicht klassifizieren....
Grundsätzlich ist das denke ich ganz ok, aber ein Superreiter bin ich ganz klar nicht! Deswegen habe ich ja auch immer Hilfe in Form von Unterricht und teilweise auch Beritt dabei, von Anfang an (anfangs noch mehr als heute). Mein RL ist total stoisch und die Ruhe selbst, dabei sehr souverän, wird nie grob oder so. Und auch er hat immer wieder mit ihr zu tun, kann das aber ganz anders auflösen als ich - er reitet eben doch einfach viel stärker, dazu ist er nunmal mein Ausbilder. Er schaut sich das nun auch mal im Gelände an, hat er gestern nach meinem großen Frust angeboten und ich habe dankend ja gesagt.

Ansonsten hast du das sehr schön geschrieben Diva, und ich denke das trifft es zum größten Teil auch. Danke.
Absteigen mache ich mittlerweile, bevor wir uns total festbeißen und anlegen. Früher wurde einem ja eingetrichtert "egal was ist, bloß nie absteigen" - das ist m.E. totaler Quatsch. Am Boden folgt sie mir deutlich schneller in solchen Situationen. Ist für beide entspannter und weniger Stress.
So wenig Gewese wie möglich, das war auch immer meine Devise. Dass wir uns nun mit solchen Situationen auseinander setzen, bis sie chillig mitgeht, ist der Ansatz unserer Bodenarbeitstrainerin und recht neu für uns.

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Zuletzt geändert von Winnie am 18. Juli 2017, 11:02, insgesamt 1-mal geändert.

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Ungelesener BeitragVerfasst: 18. Juli 2017, 11:00 
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Winnie hat geschrieben:
Früher wurde einem ja eingetrichtert "egal was ist, bloß nie absteigen" - das ist m.E. totaler Quatsch.

Ja, habe ich auch mal so gelernt. Und bei ganz dominanten Säcken stimmt das auch, da hat man von oben einfach mehr Einfluss. Aber nach meiner Erfahrung gibt es den allermeisten Pferden viel Sicherheit, wenn der Mensch vorneweg geht und sie sind dann sofort wieder beruhigt. Wieso sollte man das nicht nutzen?


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Ungelesener BeitragVerfasst: 18. Juli 2017, 12:31 
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Hier ist ja schon vieles gesagt, aber vielleicht noch mal ein kleiner Tipp zum ausprobieren...

Bei meinem ist es so, wenn er im Gelände mal was sieht (das kommt zwar fast nie vor), was er offensichtlich gruselig findet, dann rede ich ganz ruhig mit ihm und sag ihm wie toll er das macht und wie brav. Dabei kraule ich langsam den Mähnenkamm und bisher ist er so überall vorbei. Er ist dann zwar sichtlich angespannt, aber irgendwie hilft es ihm, wenn man ihm Mut zuspricht.
Hatte das mit der Stute des Züchters, für den ich zeitweilig geritten bin auch. Er kam mit der keine Runde um den Hof, weil er bei jedem Zucken drauf eingegangen ist. Ich hab immer versucht ruhig zu bleiben und wenn ich etwas gesehen habe, was ich als Problem erahnen konnte oder ich merkte, dass sie sich gleich was suchen würde, dann hab ich ruhig mit ihr geredet und sie ermutigt und so lief die überall ohne stehenbleiben und Alarm vorbei. Ich konnte nach kurzer Zeit sehr entspannt mit ihr ausreiten, weil sie glaube ich, gemerkt hat, dass ich sie ich schrecklichen Situationen (zumindest für sie) nicht alleine gelassen habe.


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Ungelesener BeitragVerfasst: 18. Juli 2017, 14:37 
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Eskadron hat geschrieben:
Hier ist ja schon vieles gesagt, aber vielleicht noch mal ein kleiner Tipp zum ausprobieren...

Bei meinem ist es so, wenn er im Gelände mal was sieht (das kommt zwar fast nie vor), was er offensichtlich gruselig findet, dann rede ich ganz ruhig mit ihm und sag ihm wie toll er das macht und wie brav. Dabei kraule ich langsam den Mähnenkamm und bisher ist er so überall vorbei. Er ist dann zwar sichtlich angespannt, aber irgendwie hilft es ihm, wenn man ihm Mut zuspricht.
Hatte das mit der Stute des Züchters, für den ich zeitweilig geritten bin auch. Er kam mit der keine Runde um den Hof, weil er bei jedem Zucken drauf eingegangen ist. Ich hab immer versucht ruhig zu bleiben und wenn ich etwas gesehen habe, was ich als Problem erahnen konnte oder ich merkte, dass sie sich gleich was suchen würde, dann hab ich ruhig mit ihr geredet und sie ermutigt und so lief die überall ohne stehenbleiben und Alarm vorbei. Ich konnte nach kurzer Zeit sehr entspannt mit ihr ausreiten, weil sie glaube ich, gemerkt hat, dass ich sie ich schrecklichen Situationen (zumindest für sie) nicht alleine gelassen habe.


Das mag vielleicht bei diesen beiden Pferden geklappt haben. Generell halte ich das aber aus jeglicher Erziehungssicht für grundsätzlich falsch. Ich habe es schon sehr oft erlebt, dass insbesondere unsichere (und leider oft auch schlechte/schwache) Reiter ihren Pferde "gut zureden". Und damit senden sie genau die falschen Signale an ihre Pferde, nämlich: Oh, Du bist unsicher, wie schön, dass Du unsicher bist, und da nicht vorbei gehen magst, das ist richtig so von Dir. Bei einer solchen Reiterin konnte man jüngst erst zusehen, wie der Weg vom Stall zur Halle jedes Mal länger dauerte, weil das Pferd immer mehr "Gruselecken" identifiziert hat. Jedes Mal kippte die Reiterin nach vorne, klopfte und tätschelte das Pferd und säuselte es beruhigend voll. Irgendwann fing es dann sogar an rückwärts zu rennen. Der ist nicht mal hinter anderen Pferden mehr her gelaufen.

Einem Pferd, das dem Reiter vertraut, braucht man keinen Mut zuzureden. Das wird in angsteinflößenden Momenten froh sein, dass es einen Reiter hat, dem es vertrauen kann, und wird ihm folgen. Das kann bei manchen Pferde tatsächlich dann vom Boden aus einfacher sein, weil sie wortwörtlich hinterher laufen (also folgen) können. Aber von dem beruhigen, wie viele Reiter das machen, halte ich nichts. Selber schimpf ich mit so Kandidaten, wenn ich sie neu untern Sattel kriege, weil die Besitzer sie für sooo ängstlich halten, eher mal. Passend zur vortreibenden Hilfe, kommt ein energisches: Hopp jetzt, stell Dich nicht an. Wenn sie dann am Gruseleck vorbei sind und wieder atmen, dann lobe ich sie. Hatte noch keinen dabei, der das ängstliche Getue nicht doch noch abgelegt hat. Aber bei manchen dauert es lang, und viele fallen auch gerne in ihre alten Verhaltensmuster zurück.


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